Eigenständig wohnen mit #Autismus ein Thread
Wer mich schon länger folgt dem sollte bekannt sein, dass ich seit Juni 2017 in einer eigenen Wohnung lebe.
& ich denke es ist mal Zeit daran nach einem Jahr Bilanz zu ziehen
Ich hätte den Start viel schwieriger vorgestellt als ursprünglich angenommen. Als Autist habe ich Mühe mich mit neuen Begebenheiten zurecht zu kommen.
Ein gutes Beispiel ist der erhöhte Lärm von der Umwelt. In der Agglo war es um einigeres ruhiger als mitten in der Stadt
Was aber noch viel anstrengender war, sind die neuen Leute rund um mich - aka Nachbaren
Trotz einem kleinen Fehlstart bezüglich dem Benutzen der Waschküche, habe ich es aber geschafft mich zu etablieren & mich als ruhiger & angenehmer Nachbar im Haus eingelebt.
Auch mühsam war es mit der Tatsache konfrontiert zu sein, dass ich nun selbst mich zu verpflegen muss. Die Jahre zuvor wo ich nach Hause kam & kurz darauf war das Essen bereit haben bei mir ein grosses Abhängigkeit ausgelöst, wo ich noch heute zu kämpfen habe.
Anfangs habe ich es zwar noch geschafft mehr oder weniger mir die Zeit zu nehmen etwas zu kochen aber da ich dies sehr unregelmässig tat, war es häufig der Fall dass mir das Essen eher verdarb bevor ich es überhaupt zubereiten konnte
Daher habe ich mich vor allem mit lang haltbaren Produkten eingedeckt & bei jenen wo schnell verderblich sind die Gewohnheit entwickelt diese noch am gleichen Tag oder in den nächsten 3 Tage zu essen
& etwas was ich bis heute nicht geschafft habe, ist meine Wohnung komplett einzurichten 😅
Ich habe zwar einen grossen Tisch wo fürs Abendessen & so sehr praktisch wäre aber leider fehlen mir noch die passenden Stühle dazu - bzw es ist mir zu mühsam noch Stühle zu besorgen 😅
Ich habe es mehrmals versucht Stühle zu kaufen aber da kam wieder meine extreme Schüchternheit in die Quere
Stühle zu kaufen ist gar nicht mal so einfach für mich
Aber das alles sind kleinere Probleme als jenes wo mich überhaupt dazu brachte das hier alles zu schreiben.
Nähmlich der Aufbau, Ausbau & Wahren von sozialen Kontakte
Es steht ausser Frage dass Autisten including myself grösste Schwierigkeiten haben mit anderen Menschen in Kontakt zu treten oder sich überhaupt mit anderen Menschen sich zu begassen
Ich habe aber das Glück in der gleichen Stadt zu wohnen, wo ich zuvor noch bei den Eltern lebend bereits Kontakte geknüpft habe oder wieder aufgebaut habe
Ausserdem wohnt mein Bruder seit Jahren schon dort & dank ihm versinke ich auch nicht komplett in der sozialen Isolation
Zusätzlich hilft mir auch die Arbeit mich dazu zu bewegen mich mit anderen Leuten auseinander zu setzen.
Mir war von Anfang an klar dass ich beim Auszug v Elternhaus in eine eigene Wohnung ziehen möchte ohne weiteren Mitbewohner.
Aber da gibt es auch Ausnahmen
Jedoch bestand das Problem dass alle Personen die in Frage kamen zusammen eine WG zu gründen bereits selbst in einer sind
Oder mit ihren eigenen Wohnung zufrieden waren & nicht Lust darauf hatten ne WG zu gründen
Einfach so in eine wildfremde Wohngemeinschaft einzutreten ist wohl möglich der beste Weg in einem neuem Umfeld sich neue Menschenkontakte kennenzulernen - für mich ist dies aber zu direkt
Wenn ich schon mit dem verwaltungstechnischen Aufwand für meine jetztigen Wohnung bereits an meine Grenze komme, will ich nicht noch mehr davon haben wo es in einer WG geben kann ( WG Auflösung etc) nebst der Tatsache eine Wohnung mit jemand anfangs Wildfremden zu teilen
Trotz all diesen Steinen oder besser gesagt Felsen in diesem ersten Jahr in der eigenen Wohnung, bemerke ich eine persönliche Öffnung gegenüber andere & auch der steigrnde Bedarf eigenständig ein Netz aus Benkannten & Freunde aufzubauen ohne die Hilfe seitens der Familie
Ich habe es zu schätzen gelernt neue Menschen kennenzulernen, jedoch will ich unverdrossen nicht der Erste sein wo die Initiative dazu ergreift.
Mir macht es nicht mehr gross aus angesprochen zu werden von anderen - ausser es geht um“für es paar Stutz füre Sleeper” oder “für es Billet nach Thun (oder sonst wohin)”
Für mich ist meine Wohnung mehr als nur der Anfang in die Eigenständigkeit
Sie ist auch ein sehr wichtiger Rückzugsort wenn es für mich zu viel wird (Stichwort Overload & Meltdown)
Da ich mir aber vor genommen habe die Wohnung zum grössten Teil der Woche nur als Schlafort zu verwenden, muss ich als Ausgleich min. 1 Tag in der Woche als Balance die Wohnung kaum verlassen damit ich wieder genug Energie habe um mich wieder anderen Menschen zu stellen
Aber dieses Ritual verursacht bei mir eine innere Zerissenheit
Einerseits die Befolgung des Rituals anderenseits der Ansporn sich anzupassen in einer Gesellschaft wo selbst z.T. Mühe hat neue Menschen in sich aufzunehmen
Je länger wie mehr wird mir bewusst, dass mein Leben ein Hochseilakt ist bei dem ich nicht zurück kann sondern nur geradeaus zu gehen ohne dabei runter zu gucken
Nichtsdestotrotz war der Entscheid aus dem Elternhaus auszuziehen ein Richtiger & auch sicherlich ein überfälliger auch wenn ich anfangs immer noch gedacht habe, dass dieser Schritt zu vorschnell gewesen war
Ich komme selbst mit meinen Macken mit mir in Klinch besonders jetzt mit der Verantwortung über eine eigene Wohnung aber trotzdem ist für mich das Motto “Nach vorne schauen & weitermachen” wichtiger den je /end
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Jul 30, 2018
Ich denke ich mache mal ein ausserplanmässigen Thread zum Thema Einkaufen als Autist
Ich werde bemüht sein mich mit dem Inhalt dieses Artikels in besonderen auseinanderzusetzen
dlvr.it/QdBc0W
Wenn ich einkaufen gehe, dann passiert dies meistens dann wenn ich merke, dass ich kaum noch etwas davon habe.
Dazu zählt - mit absteigenden Wichtigkeitsgrad
Milch, Cerialien/Müsli, langhaltbares Naturalien, Sanitärprodukte, Einrichtungsgegenstände etc.
Da ich in der Stadt lebe habe ich den Vorteil von langen Öffnungszeiten (unter der Woche bis 20h) und kurze Distanzen
Mein nächster Migros ist knapp 5min von der Haustüre entfernt ums Eck, der nachste Coop 10min in die andere Richtung.
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